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1. Internationaler WORKSHOP: Die Elektrifizierung des Alltags: Was hat die Energiewende vor 120 Jahren mit der aktuellen zu tun?

Termin und Tagungsort: 26.–27.02.2024, Universität Salzburg

Organisation: Dr. Lina Schröder (Salzburg), Prof. Dr. Dieter Schott (Darmstadt), Prof. Dr. Martin Knoll (Salzburg)

Gefördert von: Stadt Salzburg, Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg, Studienvertretung der Universität Salzburg, Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG), Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung (GSU), Bundesministerium für Bildung und Forschung, DAAD, KWG – Kraftwerk Glatzing, Salzburger Firma Kaupa Stingeder Montageservice OG), Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft                                         

Programm:

Mo., 26.02.2024

14:00–14:30 Uhr: Begrüßung durch die Veranstalter*innen

 

Sektion I: Elektrizität ausstellen

Moderation: Lina Schröder

14:30–14:45 Uhr: Hannah Walter (Würzburg): Die Münchner Elektrizitätsausstellung  von 1882 – ein Türöffner für die Elektrifizierung in Bayern?

14:45–15:05 Uhr: Denise Nadler (Würzburg)/Joline Jung (Würzburg): Die Frankfurter Ausstellung von 1891: Umsetzung gesellschaftlicher Visionen und Transformator bürgerlicher Werte

15:05–15:20 Uhr: Sebastian Kasper (München): Elektrifizierung vermitteln. Eine Darstellung des Konzepts der zukünftigen Ausstellung ‚Energie-Strom‘ im Deutschen Museum

15:20–15:30 Uhr: N.N.: Kommentar

15:30–16:00 Uhr: Diskussion

16:00–16:20 Uhr: Kaffeepause

 

Sektion II: Elektrizität anwenden I: Haushalt

Moderation: Dieter Schott

16:20–16:35 Uhr: Katrin Brandstätter (Salzburg): ‚Für diese armen, geplagten Frauen‘: wie Elektrizität und Feminismus im Alltag zusammenfanden

16:35–16:55 Uhr: Teresa Ó Dúill (Würzburg): Warum ausgerechnet das Bügeleisen? Der ‚Türöffner‘ für Elektrizität im Haushalt

16:55–17:10 Uhr: Sebastian Knoll-Jung (Bamberg): Anwendungswissen, Sparsamkeitspraktiken und Energiekonkurrenzen in der Küche ca. 1880 bis heute

17:10–17:20 Uhr: N.N.: Kommentar

17:20–17:50 Uhr: Diskussion

17:50–18:15 Uhr: Kaffeepause

18:15–19:00: Patrick Kupper (Innsbruck): Keynote

ab 19:30 Uhr: gemeinsames Abendessen

 

Di., 27.02.2024

Sektion III: Elektrizität anwenden II: Tourismus, Mobilität und Kultur

Moderation: Martin Knoll

09:00–09:15 Uhr: Verena Deisl (Salzburg): Der Salzburger Mönchsbergaufzug und seine touristische Nutzung des Stroms

09:15–09:30 Uhr: Emilia Schatzl (Salzburg): Das Elektricitätshotel in Salzburg

09:30–09:45 Uhr: Karl Stingeder (Salzburg): ‚Hallo, hallo, hier Radio Wien…‘ Die Einführung des Radios in Österreich mit besonderem Augenmerk auf das Bundesland Salzburg

09:45–09:55 Uhr: N.N.: Kommentar

09:55–10:25 Uhr: Diskussion

10:25–10:45 Uhr: Kaffeepause

 

Sektion IV: Elektrizität anwenden III: Vernetzungen

Moderation: Lina Schröder

10:45–11:00 Uhr: Marcel L. Walden (Salzburg): Krankenanstalten im Strom der Zeit. Über die Elektrifizierung des Hospitalwesens in Oberösterreich um 1900 am Beispiel des Krankenhauses Ried im Innkreis

11:00–11:15 Uhr: Bruno de Corte (Antwerpen): La ‚Ferme électrique‘ (Elektrischer Hof) Antwerpen 1930

11:15–11:30 Uhr: Walter Gaube (München): Die Bedeutung von Genossenschaften für die Elektrifizierung auf lokaler und regionaler Ebene. Dargestellt an der Elektrizitäts- Verwertungs-Genossenschaft Lichtenberg eG (1911–34)

11:30–11:45 Uhr: Tilman Frasch (Manchester): ‚Out in the Dark‘: Elektrizität und Dunkelheit in asiatischen Kolonialstädten

11:45–11:55 Uhr: N.N.: Kommentar

11:55–12:25 Uhr: Diskussion

12:25–13:00 Uhr: Dieter Schott: Schlusskommentar

13:00 Uhr: Kaffeepause

13:30 Uhr: Besichtigung vor Ort (organisiert durch die Salzburger Studierenden)

 

CfP

Weg von Kohle, Öl und Gas, hin zu Wind, Sonne und Biomasse: Die aktuelle Energiewende ist in aller Munde. Besonders Fragen nach der Sicherstellung einer flächendeckenden stabilen Versorgung in Industrie, Handel, Verkehr wie in Privathaushalten, der Aufrechterhaltung bestehender Standards, der technischen Umsetzbarkeit oder der Finanzierbarkeit stehen im Fokus, wenn es um die Nutzbarmachung erneuerbarer, also ‚sauberer‘ Energien geht. Sie sind ebenso dringlich wie die Frage was passiert, wenn wir so weiterleben wie bisher, unseren Strom also weiterhin aus ‚nicht sauberen Quellen‘ beziehen.

Auf den ersten Blick hat die aktuelle Debatte wenig mit den Diskussionen von vor über 120 Jahren gemein: Im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts dominiert eine flächendeckende und allumfassende Stromversorgung, geprägt (noch) von großen monopolistischen Energieversorgungsunternehmen und mehrschichtigen großräumigen Verteilungsnetzen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Energiebedürfnisse in Haushalt und Gewerbe dagegen vorrangig mit ‚Inseltechnologien‘ (Petroleumlampe, Holz- oder Kohlenherd, Dampfmaschinen etc.)  befriedigt, die Energieressourcen durch privatwirtschaftliche Anbieter oder die Konsument:innen selbst (Holz aus dem Wald) beschafft. Der Energiestandard war im Vergleich zu heute marginal: Aufgrund fehlender elektrischer Geräte spielten netzförmige großtechnische Energiesysteme vornehmlich dann eine Rolle, wenn es um industrielle Betriebe, den Verkehr (Eisenbahn, Straßenbahn) oder z.B. um den Betrieb von Mühlen ging. Die Gasbeleuchtung, mit eines der ersten netzförmig ausgerichteten Systeme, illuminierte anfänglich – seit Mitte des 19. Jahrhunderts – vor allem öffentliche Räume (Straßenbeleuchtung etc.) sowie eine Minderheit wohlhabender Haushalte. Noch am Vorabend des Ersten Weltkriegs erreichte die Anschluss-Quote der öffentlichen Elektrizitätsversorgung kaum mehr als 10% der Privathaushalte in deutschen Städten. Dennoch war die Elektrizität seit den 1880er Jahren die ‚Fortschrittstechnologie‘ par excellence und Elektrofirmen wie Siemens und die AEG wurden auch international zu großen Akteuren in der Wirtschaft des Kaiserreichs.

Wird die aktuelle Energiewende aber auf einer stärker strukturellen Ebene im Vergleich mit der Elektrifizierung um 1900 betrachtet, so zeigen sich durchaus gewisse Gemeinsamkeiten: In beiden Prozessen geht es um die Frage, wie individuelle Muster von Energiekonsum technisch sichergestellt und wirtschaftlich wie politisch organisiert werden. Das dominante Muster um 1900 war ‚zunehmende Vergemeinschaftung‘: An die Stelle individueller Ver- und Entsorgung von Energieressourcen trat die netzförmige Versorgung, organisiert zunächst von lokalen, dann jedoch immer stärker überlokalen privaten wie staatlichen Akteuren. Die Konsument:innen gaben immer stärker im Anschluss an diese Netze ihre Versorgungsautonomie auf, gewannen dafür aber eine rasch steigende Versorgungssicherheit mit deutlich fallenden Energiekosten, die für wachsende Teile der Bevölkerung höhere Energiestandards ermöglichten. Die aktuelle Energiewende kehrt dagegen einige der um 1900 einsetzenden Prozesse tendenziell um: Die klare Trennung zwischen Energieerzeugern und -verbrauchern, konstitutiv im System der modernen Energieversorgung, wird aufgeweicht, die Steuerbarkeit und Vorhersagbarkeit des Systems dagegen durch die Vielzahl kleiner Produzenten (PV-Anlagen) und die Unkalkulierbarkeit des meteorologisch bedingten Energieanfalls zunehmend erschwert. Zudem setzt eine neue Stufe der Elektrifizierung in bis dahin durch andere Energieressourcen versorgten Sektoren ein (Raumheizung, Mobilität). Die aktuellen Debatten über staatliche Intervention im Sinne der Beschleunigung der Verlagerung von fossilen zu erneuerbaren Energieressourcen zeigen, wie kontrovers und komplex die Energiewende ist und sein wird.

Inspiriert von Problemen und Fragestellungen der aktuellen Energiewende soll also für die Elektrifizierung des Alltags um 1900 gefragt werden, welche Vorstellungen von richtigem und modernen Energiekonsum damals miteinander in Wettstreit lagen und wie diese im Verhältnis zu übergreifenden Vorstellungen eines ‚guten Lebens‘ standen. Diskurse, die es in diesem Kontext vergleichend zu analysieren gilt, adressierten und adressieren konfligierende Leitbilder und Vorstellungen von ‚modernem‘ Lebensstandard (inklusive gesellschaftlicher Wertevorstellungen) einerseits und globaler Zukunftsfähigkeit der Erde und menschlicher Gesellschaften andererseits. Auch Fragen nach der technischen Umsetzbarkeit und der Finanzierbarkeit wurden und werden damals wie heute diskutiert: Die Finanzierbarkeit war wohl auch mit ein Grund dafür, dass im Zuge der Bemühungen um eine Salonfähigkeit der Elektrizität auf Diskurse zurückgegriffen wurde, die sich – ähnlich wie heute – Sicherheits- und Sauberkeitsversprechen bedienten. Ebenfalls augenfällig ist die symbolische Nutzung der neuen Energieform: Elektrische Zigarrenanzünder, Teekessel oder Tischklingeln erfreuten sich einer großen Beliebtheit, verkörperten sie doch einen gewissen Lebensstandard und eine ‚moderne‘ Lebensweise.

Der Workshop soll die soeben skizzierten Beobachtungen aufgreifen. Gesucht werden dabei solche Beiträge, die sich vor allem mit den Auswirkungen der Elektrifizierung in der allerersten Phase vor ca. 120 Jahren beschäftigen:

  • Wo begegnete Elektrizität den Menschen zunächst und welche Veränderungen schien ihre Nutzung für ihren Alltag zu bringen?
  • Wer waren die zentralen Akteure der Elektrifizierung, bei welchen Gelegenheiten und mit welchen Mitteln wurde der Elektrifizierungsdiskurs vorangetrieben?
  • In welcher Beziehung standen Technikangebote der Elektrifizierung zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen, auf welche Diskurse wurde rekurriert?
  • Welche Hindernisse traten für eine rasche Umsetzung der Elektrifizierung auf, worin waren diese begründet?
  • Welche Rolle spielten gesellschaftliche Akteure (z.B. die Kirche) bei der Popularisierung von Elektrizität?
  • In welcher Weise und mit welchen Zielen versuchte der Staat den Prozess zu steuern?
  • Mit welchen ganz praktischen Organisations- und Umsetzungsproblemen wurden die Menschen konfrontiert?
  • Welche Gesellschaftsbereiche wurden komplett neu organisiert oder entwickelten sich neu (z.B. Tourismus- und Freizeitbranche)?

Der Workshop basiert auf zwei einschlägigen Seminaren an den Universitäten Salzburg und Würzburg. Die Begeisterung der Studierenden zu diesem Thema gab den Anstoß, auf der Basis der entwickelten Hausarbeiten einen Sammelband zu erarbeiten. Dessen gemeinsame Konzipierung dient im Sinn des forschungsgeleiteten studentischen Lernens zugleich der universitäts- und länderübergreifenden Vernetzung und eröffnet die Möglichkeit, auch bereits fortgeschrittenen wissenschaftlichen Nachwuchs (Doktoranden, Postdocs etc.) zu beteiligen. Vorgesehen ist, dass die einzelnen Beitragsentwürfe von Studierenden und dem wissenschaftlichen Nachwuchs durch im Forschungsfeld ausgewiesene Forschende kommentiert und im Plenum diskutiert werden.

Vorbehaltlich der Mittelbewilligung durch unsere Fördergeber, werden Anreisekosten in Höhe von 150 Euro (Bahn, 2. Kl.) sowie eine Übernachtung in Salzburg übernommen. Rückfragen oder Bewerbungen in Form eines Exposés (max. 3.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) mit anschließender Kurzbiographie bitte bis zum 31.07.2023 an Dr. Lina Schröder (lina.schroeder@uni-wuerzburg.de).

 

 

2. 'Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden'. Folter und das Verbot der Folter in Mitteleuropa (bis 1989)

 

  • Internationale wissenschaftliche Tagung der Polnisch Historischen Mission
  • Termin: 23. und 24. September 2024 (Montag und Dienstag)
  • Tagungsort: Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg (Domerschulstraße 17, Würzburg)
  • Veranstalter:

    • Polnische Historische Mission an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń) – Dr. Renata Skowrońska
    • Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte – Prof. Dr. Helmut Flachenecker, Dr. Lina Schröder
    • Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń, Institut für Geschichte und Archivkunde, Lehrstuhl für Geschichte der skandinavischen Länder sowie Mittel- und Osteuropas – Prof. Dr. Andrzej Radzimiński
    • Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München – Prof. Dr. Andreas Otto Weber
    • Stiftung Kulturwerk Schlesien – Lisa Haberkern MA

    Die Tagung wird in Verbindung mit dem Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg und dem Kolleg „Mittelalter und Frühe Neuzeit” veranstaltet.

 

CfP

In der modernen internationalen Gesetzgebung gilt die Garantie der Nichtanwendung von Folter durch den Staat als eines der Grundrechte jedes Menschen. Das Folterverbot ist unbestreitbar, eindeutig und absolut. Es ist nicht möglich, den Einsatz von Folter durch außergewöhnliche Umstände (zum Beispiel ein öffentliches Interesse, drohende Terroranschläge, Kriegszustand) zu rechtfertigen. Einen besonderen Einfluss auf die Formulierung moderner Gesetze zum Folterverbot hatte die 1948 von den Vereinten Nationen verabschiedete Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Darin heißt es lakonisch und zugleich äußerst zutreffend: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden“ (Artikel 5). In Dokumenten, die die Vereinten Nationen in den folgenden Jahrzehnten verabschiedeten – insbesondere in der Erklärung über den Schutz aller Personen vor Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe von 1975 und dem Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe von 1984 – wurde versucht, den Begriff der Folter näher zu erläutern sowie konkreter anzugeben, um welche Taten es sich dabei handeln könnte. Es wird präzisiert, dass Folter eine vorsätzliche Zufügung von Schmerzen durch Personen ist, die den Staat repräsentieren (durch die Personen direkt, mit deren Zustimmung oder Weisung) bzw. der Erreichung eines bestimmten Ziels (zum Beispiel der Beschaffung von Informationen) dient. Staat, Schmerzen und die absichtliche und zielorientierte Natur der Folter wurden entsprechend dezidiert in einen unmittelbaren Kontext gestellt. Diese Rechtsakten wurden auch von Polen, Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern ratifiziert. Die Einführung eines absoluten Folterverbots ist zweifellos eine der größten Errungenschaften der Zivilisation, ein Triumph der humanistischen Philosophie, deren Wurzeln, bezogen auf Europa, bis ins antike Griechenland zurückreichen.

Ziel der Tagung ist es, die Geschichte der Anwendung und des Verbots der Folter in Theorie und Praxis mitteleuropäischer Länder, insbesondere auf polnischen und deutschen Gebieten, im Zeitraum bis etwa 1989 darzustellen. In den vergangenen Jahrhunderten gab es intensive Diskussionen über die Bedeutung der Folter in der Justiz, ihren Zweck und Sinn. Die Regeln und die Form ihrer Anwendung wurden unterschiedlich festgelegt – je nach Art der Straftat, Merkmalen und Stellung der verdächtigen Person. Diese Debatten fanden ihren Niederschlag sowohl in der weltlichen Gesetzgebung als auch den kirchlichen Rechtsnormen. Sie beeinflussten ebenso die Auslegung des Gesetzes in der Praxis. Zu den Themen, die während der Tagung diskutiert werden, gehören gleichermaßen Fragen zum antiken Erbe sowie zu rechtlichen Lösungen, die zu verschiedenen Zeiten bezüglich der Anwendung von Folter und ihrem Verbot im Kontext bestimmter Personen und sozialer Gruppen angenommen wurden. Interessant ist auch, was in verschieden Epochen unter gerechtfertigter Folter gemeint war. Was war ihr Zweck: Schuld einzugestehen, Informationen zu verschaffen, Menschen zu bestimmten Maßnahmen zu zwingen, sie einzuschüchtern? Wurden die durch Folter gewonnenen Informationen als wertvoll betrachtet (Schuldgeständnis oder Aussagen gegen andere Personen)? Inwieweit wurde berücksichtigt, dass verschiedene Formen der Bestrafung (z. B. Aufspießen) Anzeichen eines unnötigen Sadismus aufweisen können, und wurde versucht, sie einzuschränken? Ein wichtiges Thema bilden Veränderungen in Philosophie und Theologie, die zur Einschränkung und letztendlich zum Verbot der Folter führten, sowie Beispiele für die Verletzung des Verbotes durch Herrschaften und moderne Staaten (bis 1989). Die während der Tagung dargestellten Referate sollen es ermöglichen, anhand konkreter Beispiele den Entstehungsprozess der Idee eines vollständigen und absoluten Folterverbots unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Forschung zu skizzieren.

Der geographische Rahmen der Tagung umfasst Mitteleuropa, wobei der Schwerpunkt auf zwei Räumen liegt: auf dem historischen polnischen und deutschen Kultur- und Geschichtsraum. Die politischen Grenzen dieser Gebiete decken sich weitgehend mit den Territorien des Heiligen Römischen Reichs und den Ländern außerhalb seiner Grenzen (Deutschordensland in Preußen, Herzogtum Preußen, Königreich Preußen und die Schweiz), des Deutschen Bundes bzw. des Deutschen Reichs bis hin zur Deutschen Demokratischen Republik und zur Bundesrepublik Deutschland sowie mit Polen (Königreich Polen, Polen-Litauen, Rzeczpospolita, Herzogtum Warschau, Kongress-Polen, Zweite Polnische Republik, Volksrepublik Polen). Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich über verschiedene Epochen, vom frühen Mittelalter bis etwa 1989.

  • Dieser Call for Papers richtet sich insbesondere an Wissenschaftler:innen aus dem Bereich der Geisteswissenschaften, aber auch an Interessierte aus anderen benachbarten Forschungsdisziplinen. Einführende, übergreifende und vergleichende Beiträge sind explizit erwünscht. Ebenso können Einzelbeispiele mit entsprechender Signifikanz auf der Tagung vorgestellt werden.
  • Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Für jeden Vortrag ist eine Dauer von 20 Minuten vorgesehen. Tagungsgebühren werden nicht veranschlagt. Honorare können nicht gezahlt werden. Die Veranstalterinnen und Veranstalter bemühen sich derzeit, die Reise- und Übernachtungskosten der Referierenden sicherzustellen.
  • Es ist uns wichtig, dass die Referate nach der Tagung zum Druck vorbereitet werden. Die Veröffentlichung der Beiträge ist im Jahrbuch Bulletin der Polnischen Historischen Mission Nr. 20 (2025) vorgesehen.

Wir laden Sie herzlich zur Teilnahme an der Tagung ein! Bitte richten Sie Ihre Vorschläge (Anmeldeformular: Teil 1 und Teil 2) bis zum 15. Januar 2024 per E-Mail an Dr. Renata Skowrońska (E-Mail: renata.skowronska@uni-wuerzburg.de).

 

3. Region ganzheitlich denken: der Einfluss von Geofaktoren auf die Gestaltung von Kulturlandschaften im Kontext interdisziplinärer Forschung

Internationale, interdisziplinäre wissenschaftliche Tagung vom 2. bis 4. April 2025 in Kiel

Organisation: Dr. Lina Schröder (Salzburg) und Dr. Evelien Timpener (Gießen)

Kooperationspartner: Lehrstuhl für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt Schleswig-Holstein an der Universität Kiel (Prof. Dr. Oliver Auge), AG Landesgeschichte im ‚Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands‘, ‚Arbeitskreis für historische Kulturlandschaftsforschung in Mitteleuropa e.V.‘ (ARKUM)

 

CfP

Auch wenn das Interesse für umwelt- und raumgeschichtliche Themen momentan durchweg groß ist, so schwierig fällt es dennoch vielen Forschenden, die verschiedenen ineinandergreifenden Themen- und Forschungsgebiete zu überblicken und sich ganz auf die interdisziplinäre Arbeit einzulassen. Erste Angebote, etwa das interdisziplinäre digitale Kolloquium ‚ARKUM – Fachdisziplinen im Gespräch!‘ (seit WS 2023/24), aktuelle Forschungsgruppen wie das SPP 2361 (‚Auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre‘) und Tagungen wie die stadthistorische Umwelttagung ‚Der Stoffwechsel der vormodernen Stadt‘ (Münster, März 2023) oder die landesgeschichtliche Tagung ‚Umwelten verflochten‘ (Erlangen, Sept. 2024), greifen diese Problematik bereits auf und versuchen die verschiedenen Disziplinen miteinander zu vernetzen. Ziel dieser Tagung ist es nun, einerseits die begonnene interdisziplinäre Vernetzung zwischen u.a. der Geschichtswissenschaft, Archäologie, Geographie und Soziologie durch eine weitere Begegnung fortzusetzen; andererseits aus fachlicher Perspektive interdisziplinäre Konzeptionen von Regionalität und raumbezogener Materialität im Kontext älterer und neuerer Forschungsparadigmen von verschiedenen Disziplinen und Epochen aus zu diskutieren. Dabei sollen ebenso die aktuellen gesellschaftlichen Debatten zum Klimawandel integriert werden, da sie auch in den Geschichtswissenschaften zu einem vermehrten Interesse an Themen geführt haben, die Geofaktoren und deren Einfluss auf Kulturlandschaften in der Vergangenheit adressieren.

Unter den ‚Geofaktoren‘ werden hier z.B. die Bodenbeschaffenheit, das Regionalklima, Flora und Fauna bzw. die Existenz spezifischer Formationen wie Flüsse, Seen, Meere, Wälder, Gebirge, Wüste etc. sowie ihr Zusammenwirken verstanden. Gleichzeitig prägten formierende und ständig verändernde politische Entitäten auch Teile der Landschaft – einen Vorgang, den wir unter dem Begriff ‚raumpolitische Prozesse‘ näher fassen: Gemeint sind die raumbildenden politischen Gegebenheiten (Territorial- und Herrschaftsgrenzen, Bistumsgrenzen etc.) eines spezifischen Raumes und seine Vermessung und Verzeichnung durch den Menschen. Geofaktoren und raumpolitische Prozesse sind wiederum Bestandteil einer von Siedlungen geprägten ‚Kulturlandschaft‘, die ferner ökonomische und kulturelle Aspekte – vor allem auch im Sinn einer ‚Bottom up‘-Perspektive – durch die in einem Raum lebenden Menschen integriert und sich ebenfalls seit jeher auf das Siedlungswesen auswirken.

Bei der Untersuchung dieser komplexen Strukturen sind insbesondere Forschende einzelner Fachdisziplinen mit zwei Herausforderungen konfrontiert: Wie können neue Ansätze entwickelt werden, die der Verbindung von Diskursivität und Materialität in den konzeptionellen Entwicklungen nach dem spatial turn und cultural turn Rechnung tragen, und wie kann die umfangreiche landschaftsbezogene, aber z.B. auch umweltgeschichtliche Forschungstradition der vergangenen Jahrzehnte berücksichtigt und produktiv weitergeführt werden? Die Tagung setzt hier an und nimmt die historische Bedeutung von Geofaktoren für raumpolitische Prozesse und die sie steuernden Wahrnehmungsperspektiven im Lauf der Geschichte systematisch in den Blick und diskutiert sie im Kontext interdisziplinärer Forschungsansätze benachbarter Felder wie etwa der Umweltgeschichte, Archäologie oder Geographie. Denn gerade auch die Frage, wie sich einzelne Theoriekonzepte an der Schnittstelle von Geographie, Soziologie und Archäologie mit der Tiefe der Landes- und Regionalgeschichte verbinden lassen, ist nach wie vor ein großes Forschungsdesiderat.

Für die Tagung gesucht werden Forschungsprojekte, die sich mit den skizzierten Themenfeldern beschäftigen. Interessant sind solche Projekte, die einerseits Mikroperspektiven verfolgen und sowohl Stadt-Umland-Beziehungen als auch dünn besiedelte, periphere Räume in den Blick nehmen. Spannend sind andererseits auch solche Ansätze, die auf einer Mesoebene Regionen untersuchen, die durch bestimmte zusammenhängende landschaftsbezogene Phänomene gekennzeichnet sind, dabei jedoch durch den Menschen gesetzte politisch-administrative Grenzziehungen überschreiten. Die Beiträge können unterschiedliche Epochenzugriffe von der Antike bis zur Zeitgeschichte aufweisen und bewusst interdisziplinär angelegt sein. Mögliche Fragestellungen zu den einzelnen Themenfeldern sind:

 

1. Der Zusammenhang von Kulturlandschaften und Geofaktoren

a. Welche Rolle spielen Geofaktoren in der Siedlungsgeschichte?

b. Welche Geofaktoren spielen neben dem Wasser im Kontext von Siedlungsentwicklungen eine Rolle?

c. Inwieweit spielen Geofaktoren aus zeitgenössischer Sicht eine Rolle?

d. Welche Rolle spielt das sich im Verlauf der Zeit wandelnde technische Wissen für die Veränderung von Wahrnehmungen von Kulturlandschaften?

 

2. Nutzung und Ressourcen

a. Welche Folgen hatte die Sicherung und Nutzbarmachung von Ressourcen für Kulturlandschaften (speziell für das Siedlungswesen)?

b. Wie wirkte sich der Abbau von natürlichen Ressourcen, etwa Wald, Stein, Sand, Metall, Erze usw. auf die Kulturlandschaften aus?

c. Inwiefern beeinflussen Geofaktoren einen besonderen Umgang oder bestimmte Nutzungspraktiken in bestimmten Regionen?

 

3. Theoriebildung

a. Welche Rolle spielen interdisziplinäre Ansätze der Historischen Kulturlandschaftsforschung etwa in der gegenwärtigen Landes- und Regionalgeschichte?

b. Wie lassen sich theoretische Ansätze aus der Historischen Kulturlandschaftsforschung und z.B. der Umweltgeschichte für landes- und regionalgeschichtliche Forschungspraktiken umsetzen und welche konkreten Quellenzugriffe sind dadurch erforderlich?

c. Welche Herausforderungen bringt die Berücksichtigung landschaftsbezogener Aspekte in der landes- und regionalgeschichtlichen Forschungspraxis mit sich, insbesondere auch im Hinblick auf interdisziplinäre Kooperationen?

d. Welche Quellen und Befunde lassen sich integrieren?

e. Welche Rolle spielen verschiedene Raumtheorien bei der Integration verschiedener Geofaktoren?

f. Welche Rolle spielen verschiedene Geofaktoren im Kontext epochenübergreifender Untersuchungen?

Die Tagung findet vom 02. bis zum 04. April 2025 in Kiel statt. Am Nachmittag des 3. April ist eine Exkursion in das Kieler Umland geplant. Willkommen sind Vorträge im Umfang von 25 Minuten, die im Kontext der Geschichtswissenschaften, der (Historischen) Geographie, der Archäologie, der Soziologie und anderer historisch-raumbezogener Disziplinen arbeiten. Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Organisatorinnen bemühen sich derzeit um eine Gegenfinanzierung der Reise- und Übernachtungskosten. Rückfragen oder Bewerbungen in Form eines Exposés (max. 3.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) mit anschließender Kurzbiographie bitte bis zum 20.02.2024 an Dr. Lina Schröder (lina.schroeder@plus.ac.at).