Forschung

 

1. Kernthema: Infrastruktur

bisher: epochenübergreifend (Mittelalter–Mitte 20. Jh.), regional verankert, europafokussiert, interdisziplinär und mit Fokus auf dem kommunalen Wesen (Schröder 2017/18/19/20, Habilitation)

 

Infrastruktur betrifft alle Gesellschaftsbereiche: Die Auseinandersetzung mit diesem Forschungsobjekt ermöglicht damit, die Gesellschaft betreffende Fragen, Prozesse und Entwicklungen aus zahlreichen Perspektiven zu analysieren und zu verstehen. Da es sich hier außerdem um ein globales Phänomen sesshafter Gesellschaften handelt, lassen sich zugleich auch Untersuchungen rund um den Globus vergleichend realisieren.

Meine bisherigen Forschungen suchten eine Antwort auf die Frage, welcher Stellenwert Infrastruktur als gesellschaftliches Konzept in den verschiedenen Epochen zukommt. Dabei ging es mir darum, die z. T. aus anderen Fachdisziplinen (z. B. der Archäologie, Geographie, den Wirtschaftswissenschaften etc.) entnommenen Kategorisierungen und Beschreibungen zu hinterfragen und die in Deutschland geführte Kontroverse zwischen einem Teil der Mediävistik- und Neuzeitforschung bezüglich des Stellenwertes unterschiedlicher Einrichtungstypen und ihrer Bestandskontinuität zu überwinden. Insgesamt geht es hier nicht um einen technikgeschichtlichen Ansatz, sondern um eine sozial- und alltagsgeschichtliche Perspektive auf Infrastruktur, die lokale/regionale und globale Aspekte gleichermaßen mitdenkt. Je nach meiner zukünftigen institutionellen Anbindung wäre neben einer Untersuchung zu nicht-kommunalen Siedlungen (z. B. Klöster) in weiterer Zukunft eine Überprüfung des erarbeiteten Infrastrukturkonzepts für 'Randkulturen der antiken Welt' wünschenswert. Denn bereits Javier Arce verweist mit Blick auf das Ende des Römischen Reichs auf im Kontext römischer Einrichtungen stattgefundene Transformationsprozesse (Arce 2007). Es steht zu vermuten, dass sich also auch hier Kontinuitäten feststellen lassen. Mit Blick auf den bisherigen Untersuchungszeitraum wäre ferner auch die Überprüfung der Ergebnisse anhand weiterer, in der Habilitationsschrift ausgesparter Sektoren (z. B. Wissenschaft, Nachrichtenwesen, Wirtschaft) sinnvoll und erstrebenswert.

 

 

2. Kernthema: Grenzen und ‚besondere Räume‘ in ihren regionalen und globalen Verflechtungen 

bisher: epochenübergreifend (Mittelalter–Erster Weltkrieg), interdisziplinär, europäischer Fokus; Publikationen zu den Regionen Franken, Wetterau, Danziger Bucht, Lage Landen, Westfalen, Ruhrgebiet (Schröder 2020/21/24), gelehrt ferner zu Schleswig-Holstein und dem Elsass; weiterhin ‚Grenzregionen‘ (vertieft ‚Historische Niederlande) und regionale Schnittstellen (Kahlgrund) (Schröder 2023/24)

 

Grenzen haben hohes Forschungspotential und erfordern einen epochenspezifischen Blick: Nicht alles, was wir heutzutage selbstverständlich als Grenze wahrnehmen, wurde von Akteuren früherer Epochen als solche interpretiert. Außerdem untersuche ich nicht nur Herausforderungen und die mit Grenzen verbundenen ‚Zumutungen‘ als oftmals unmittelbar mit einer neuen Grenzziehung auftretende Wahrnehmung. Ebenso interessieren mich im Sinne des Konzeptes der shifting baselines sich verändernde Wirkweisen von Grenzziehungen: Von einem Akteur mit einem bestimmten Ziel – nach dem Anthropologen Josef Isensee (2018) auch als Realisierung einer spezifischen Möglichkeit zu interpretieren – initiiert, stellt eine Grenze zunächst für andere, von ihr betroffene Akteure nicht selten auf den ersten Blick einen unwiderruflichen Einschnitt dar, stellt sich dem gewohnten Alltag in Form einer Einschränkung oder eines Hindernisses in den Weg (siehe u. a. Gerst et al. 2021; Gerst/Krämer 2019). Gesellt sich jedoch der Faktor Zeit hinzu, entfaltet jene Grenze auf den zweiten Blick und mitunter von den Initiatoren ursprünglich gar nicht so gewollt am Ende Potential für neuen Austausch, öffnet ungewollt neue Türen (siehe Stichwort Kontaktzone: Kleinmann et al. 2019). Dabei wird die Bedeutung von Grenzen und besonderen Räumen (z. B. Grenzregionen) oftmals erst im Spannungsfeld regionaler UND globaler Zusammenhänge sowie anhand vergleichender Studien deutlich. Meine bisherigen Forschungen im Kontext einzelner Regionen, begonnen mit der Dissertation, greifen diese Erkenntnis auf.

 

 

3. Kernthema: Die Bedeutung von Ressourcen und Energie im Kontext gesellschaftlicher Organisation

bisher: epochenübergreifend unter Einbezug umwelt-, sozial- bzw. technikgeschichtlicher Perspektiven (Mittelalter–Erster Weltkrieg), zur Wasser- und Waldnutzung (Schröder 2023, Habilitation) sowie im Kontext der Elektrifizierung des Alltags (Schröder 2020/24/25)

 

Ressourcen- und Energiediskurse waren seit jeher zentral für die gesellschaftliche Organisation und sind bis heute Bestandteil u. a. wirtschaftlicher, politischer und sozialer Debatten. Diesbezügliche Forschungen tragen entsprechend nicht nur zu einem besseren Verständnis komplexer (Aushandlungs)Prozesse bei, sondern geben auch Auskunft über Entwicklungslinien, das jeweilige Umwelt- und Gesellschaftsverständnis, über Transformationsprozesse, Kontinuitäten und Umbrüche. Folgenden Fragestellungen wird hier im Rahmen unterschiedlicher Forschungsarbeiten u. a. nachgegangen: Wer durfte über welche Ressourcen verfügen bzw. sie nutzen? Auf welche Ressourcen konnte überhaupt zurückgegriffen werden und was geschah, wenn sie an einem Ort nicht in ausreichender Menge verfügbar waren? Welche Attribute wurden verschiedenen Energieträgern zugeschrieben? Welche Gefahren verbarg ihre Nutzung? Welche Kontinuitäten lassen sich erkennen? Welche Rolle spielte Nachhaltigkeit? Usw.

 

 

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